Das Turmmuseum in der Kirche zu Sommersdorf

1. Etage des Museums
 
Im Verlauf umfangreicher Restaurierungsarbeiten am Kirchturm Sommersdorf wurde 1994 zunächst nur auf einer Turmetage ein kleines Museum eingerichtet.
Die ersten Ausstellungsstücke waren die vorhandenen hölzernen Gedenktafel mit alten bekannten Sommersdorfer Familiennamen, die Kriegsteilnehmer des 19.Jahrhunderts (1813-1870/71) benennen.
Zur kritischen Neubesinnung solcher Ehrentafeln hängt neben ihnen das biblische Wort vom Umschmieden der „Schwerter zu Pflugscharen“.
 
1.Etage
Bildliche Hinweise auf die Missionsreisen nach Pommern von Bischof Otto von Bamberg 1124 und 1128, auf die Ersterwähnung von Kirche und Dorf Sommersdorf 1276 und das bekannte Sommersdorfer Mord- oder Sühnekreuz von 1423 (steht vor der Südmauer des Kirchhofs) eröffnen die Ausstellung.
 
Vor einem Bildnis des pommerschen Reformators Dr. Johannes Bugenhagen liegt die Abschrift eines Protokolls von einer Visitation (Besuch der Kirchengemeinde mit Bestandsaufnahme) 1579 in Sommersdorf und Grünz.
Eine farbige Reproduktion des Greifswalder Croy-Teppichs (1558 in Stettin gewebt) ergänzt die Hinweise auf die Reformation in Pommern (1534/35). Er hängt jetzt im Pommerschen Landesmuseum von Greifswald.
 
Die Liste der Pastoren, die die historische Pfarrstelle Sommersdorf bis 1999 besetzt hatten, wird gezeigt mit einer Reihe von Personenfotos.
Ein Dorfplan mit den ansässigen Familien aus den Schwedenmatrikeln von 1692 hängt an der Wand.
Weitere Fotokopien erzählen vom Arbeiten und Feiern früherer Generationen, vom Dorf und seinem Geschick, so im „Penkuner Anzeiger“ vom großen Brand 1925 in Sommersdorf.
Auf dem Buchbrett einer alten Kirchenbank hat ein russischer Soldat 1945 nach Besetzung des Dorfes durch die Rote Armee seinen Namenszug eingeschnitzt.
Die Feldflasche erinnert an einen namenlosen deutschen Wehrmachtsangehörigen, der am 24.4.1945 in Sommersdorf gefallen ist. Seine Gebeine wurden um 1975 bei Erdarbeiten im Dorf gefunden und 2002 im Soldatengrab auf dem Sommersdorfer Friedhof beigesetzt.
 
 
 
 
 
Dachkonstruktion der Turmspitze
 
2.Etage
In einer geschützten Glasvitrine werden in der 2. Turmetage früher genutzte Abendmahlsgeräte aus Zinn (18.Jahrhundert), historische Gesangbücher und eine Bibel aus dem Dorf von 1704 gezeigt.
Auch ein Exemplar der überarbeiteten Kirchenordnung von Johannes Bugenhagen von 1563 in plattdeutscher und hochdeutscher Sprache befindet sich in dieser Vitrine (gedruckt 1690).
Zum Thema „Kirche und Schule“ befinden sich auf einer Tafel neben alten Stundenplänen und einer Gehaltsliste für den Lehrer viele Fotos von Schulklassen aus verschiedenen Jahrzehnten.
Vom Leben der Kirchengemeinde heute und von ihren Kirchen im neuen Pfarrsprengel Penkun erzählen verschiedene Fotozusammenstellungen.
 
3.Etage
In der 3. Turmetage befindet sich die Glockenstube mit einer historischen Glocke von 1680 (gegossen von Lorenz Köckeritz, Stettin) und einer neueren Glocke von 1980 (Schilling, Apolda).
Die elektrische Glockenläuteanlage wurde gestiftet vom ehemaligen Gutsbesitzer in Neuhof Hans-Joachim Behrends (1901-1983).
Zu sehen sind außerdem hölzerne Glockenjoche und Klöppel von ehemaligen Glocken, die im 1. und 2. Weltkrieg für die Kriegsproduktion eingeschmolzen worden sind.
 
4.Etage
Auf der 4.Turmetage sind Urkunden und Fotos vom Kirchturm, seiner Erbauung 1897 und seiner Renovierung 1991/92 ausgestellt.
Alte Plakate aus der Wendezeit deuten auf das Wächteramt der Kirche in jedem Staatswesen hin.
 
5.Etage
Auf der letzten Etage ist eine beleuchtete Einsicht in die Holzkonstruktion der Kirchturmpyramide von 1897 möglich.
Außerdem befinden sich hier eine Holzwiege von 1858 und ein Backtrog (beide aus Sommersdorf) und ein altes Spinnrad aus Lützlow (Uckermark).
Plattdeutsche Verse weisen auf die Bedeutung dieser alten Gegenstände hin.