Sonnenuhr in Gestein gekratzt
An der Südseite des um 1450 errichteten Langhauses der Marienkirche in Strasburg sind seltsam gekratzte Linien zu erkennen, die von einem Punkt aus strahlenförmig verlaufen. Bei einigen ist noch ein Loch sichtbar, in dem einst ein waagerechter Schattenstab befestigt war. Es sind alte Zeitanzeiger, die aus der Frühzeit europäischer Sonnenuhren stammen und älter als 500 Jahre sind.
Bei den Linien vermutet man leicht Stundenlinien einer Sonnenuhr, jedoch sind keine Zahlenangaben für die Uhrzeit vorhanden. Brächte man einen waagerechten Stab als Schattenwerfer für eine Sonnenuhr an, würde man sich über die „Zeitanzeige“ gewiss wundern. Denn im Sommer sind die Stundenabstände bedeutend kleiner als im Winter. Eine solche „Sonnenuhr“ ergäbe daher keinen Sinn.
Eine Zeitangabe ist damit jedoch trotzdem möglich: Der senkrechte Schatten zeigt stets den Zeitpunkt des astronomischen Mittags an, wenn die Sonne im Süden steht.
Soll jede Stundenlinie das ganze Jahr hindurch einen bestimmten und unveränderlichen Zeitwert erhalten, ist es erforderlich, den Schattenstab zum Himmelspol auszurichten. Sein Neigungswinkel gegenüber der Horizontalen entspricht demnach der geographischen Breite des betreffenden Ortes, in Strasburg somit 53,3°. Diese uns vertrauten Polstab-Sonnenuhren gibt es erst seit dem Ende des 15. Jahrhunderts.
Dennoch verdienen diese Kratzungen die Bezeichnung einer so genannten mittelalterlichen Sonnenuhr, wie man sie häufig an Kirchen und Klöstern findet. Allein in den neuen Bundesländern sind etwa 130 bekannt, vornehmlich in den nördlichen Gebieten.
Es kann sich dabei nicht um Zeitangaben in unserem Sinne gehandelt haben. Mit den „gekratzten“ Sonnenuhren wurde der Tag in Abschnitte geteilt, und wenn der Schatten auf eine bestimmte Linie fiel, war die Zeit für eine kirchliche Handlung gekommen.
Das genügte durchaus den Menschen des Mittelalters, die sich noch weitgehend nach dem Tagesgestirn richten mussten.
Der Heimatforscher Wilhelm Lübstorf aus Burg Stargard hat die Wände der Marienkirche in Strasburg eingehend untersucht und dabei 81 Kratzungen gefunden, von denen jedoch der größte Teil nur wenige Striche zeigte und mit einer mittelalterlichen Sonnenuhr wenig zu tun haben dürfte. Möglicherweise handelt es sich auch um spätere Imitationen oder Versuche.
Das östliche Mecklenburg ist reich an gekratzten Sonnenuhren, man findet sie zum Beispiel an den Kirchen in Zwiedorf bei Altentreptow, Gramzow bei Anklam, Burg Stargard, Völschow bei Demmin sowie an der St. Georgskapelle in Neubrandenburg. Letztere weicht von denen mit den üblichen Linien stark ab und gibt den Forschern noch einige Rätsel auf.
Bei den Linien vermutet man leicht Stundenlinien einer Sonnenuhr, jedoch sind keine Zahlenangaben für die Uhrzeit vorhanden. Brächte man einen waagerechten Stab als Schattenwerfer für eine Sonnenuhr an, würde man sich über die „Zeitanzeige“ gewiss wundern. Denn im Sommer sind die Stundenabstände bedeutend kleiner als im Winter. Eine solche „Sonnenuhr“ ergäbe daher keinen Sinn.
Eine Zeitangabe ist damit jedoch trotzdem möglich: Der senkrechte Schatten zeigt stets den Zeitpunkt des astronomischen Mittags an, wenn die Sonne im Süden steht.
Soll jede Stundenlinie das ganze Jahr hindurch einen bestimmten und unveränderlichen Zeitwert erhalten, ist es erforderlich, den Schattenstab zum Himmelspol auszurichten. Sein Neigungswinkel gegenüber der Horizontalen entspricht demnach der geographischen Breite des betreffenden Ortes, in Strasburg somit 53,3°. Diese uns vertrauten Polstab-Sonnenuhren gibt es erst seit dem Ende des 15. Jahrhunderts.
Dennoch verdienen diese Kratzungen die Bezeichnung einer so genannten mittelalterlichen Sonnenuhr, wie man sie häufig an Kirchen und Klöstern findet. Allein in den neuen Bundesländern sind etwa 130 bekannt, vornehmlich in den nördlichen Gebieten.
Es kann sich dabei nicht um Zeitangaben in unserem Sinne gehandelt haben. Mit den „gekratzten“ Sonnenuhren wurde der Tag in Abschnitte geteilt, und wenn der Schatten auf eine bestimmte Linie fiel, war die Zeit für eine kirchliche Handlung gekommen.
Das genügte durchaus den Menschen des Mittelalters, die sich noch weitgehend nach dem Tagesgestirn richten mussten.
Der Heimatforscher Wilhelm Lübstorf aus Burg Stargard hat die Wände der Marienkirche in Strasburg eingehend untersucht und dabei 81 Kratzungen gefunden, von denen jedoch der größte Teil nur wenige Striche zeigte und mit einer mittelalterlichen Sonnenuhr wenig zu tun haben dürfte. Möglicherweise handelt es sich auch um spätere Imitationen oder Versuche.
Das östliche Mecklenburg ist reich an gekratzten Sonnenuhren, man findet sie zum Beispiel an den Kirchen in Zwiedorf bei Altentreptow, Gramzow bei Anklam, Burg Stargard, Völschow bei Demmin sowie an der St. Georgskapelle in Neubrandenburg. Letztere weicht von denen mit den üblichen Linien stark ab und gibt den Forschern noch einige Rätsel auf.





