„Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort.“ -
„Das ist nur Wasser! Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort!“ – Das war nicht ironisch gesprochen, sondern nur eindringlich und beschwörend.
Mir fielen alle indianischen und ritterlichen Ehrenworte aus meiner Kinderzeit ein; die waren ebenso ernst gemeint: als verbindliches letztes Wort. – Wie kann jemand nach einem „Ehrenwort“ noch Zweifel hegen?! Ein Ehrenwort heißt doch: „Ich stehe mit meiner ganzen Person, mit meinem guten Ruf, mit meiner Vertrauenswürdigkeit, ja sogar mit meiner Selbstachtung für diese Sache ein.“ – Selbst wenn es nur um eine Flasche Wasser geht.
Die Frau war mir sympathisch. Alle „Ehrenwort-Skandale“ waren spurlos an ihr vorüber gegangen: ihr Ehrenwort galt unverbrüchlich! Ich – als Sicherheitsbeamter – hätte die Wasserflasche mit ihr passieren lassen.
Nun bin ich – zum Glück – kein Sicherheitsbeamter; denn das war auch klar: diesen Kampf: „Ehre gegen Vorschrift“ konnte die Frau nur verlieren. - Schließlich hat die Geschichte erwiesen, dass es eben leider keine eine allgemeine, unverbrüchliche „Ehrensache“ ist, Flugzeuge nicht in die Luft zu sprengen.
Der Kontrolleur hat gut reagiert. Er hat nicht gesagt: „Machen Sie sich nicht lächerlich!“ – oder: „Ihre Ehre interessiert mich nicht!“, sondern er sagte ernst und ruhig: „Ich glaube Ihnen, aber es ist ein Gesetz wegen der wirklichen Gefahren.“ Das war menschlich und klar zugleich. Damit hatte er ausgedrückt: „Es ist die Rechtslage, die uns alle – auch Sie – schützen will, und die darum vom schlimmsten Fall ausgehen muss. – Unter uns – „von Mensch zu Mensch“ – ist alles in Ordnung: Ich vertraue Ihnen, auch wenn ich Sie nicht kenne.“
Die Frau kam nicht ins Zetern (- wie ich insgeheim befürchtet hatte-), sondern sie ging mit einem „Na gut!“ mit hocherhobenem Kopf durch die Sperre. Ihr Ehrenwort war anerkannt worden, auch wenn sie in der Sache nicht gewonnen hatte.
Ein sehr schönes Lutherwort passt dazu - aus seiner Schrift: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“:
„Welcher dem anderen glaubt, der glaubt ihm darum, dass er ihn für einen frommen, wahrhaftigen Menschen achtet, welches die größte Ehre ist, die ein Mensch dem anderen tun kann.“ Das gilt wohl auch für die heutige Zeit: Gewiss gehört beides: Vertrauen und Kontrolle – jedes an seinen Platz. – Trotzdem ist das Größere und Eigentliche ohne Zweifel das VERTRAUEN.
Kein „Ehrenwort-Skandal“, kein Datenschutzvergehen, kein Adressenhandel… kann daran etwas ändern!
Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche
mit viel Vertrauen wünscht Ihnen
Bodo Winkler (Soldatenseelsorger)


