Einfach mal die Seele in die Sonne halten

Habe ich mich verhört oder hat da eben wirklich eine Amsel gesungen? Zwar nur ein ganz kurzer Triller, aber es war eine Amsel. Wie im Frühling!
Doch singen Amseln jetzt noch im September? Kann das überhaupt sein? Ich weiß nicht, was ein Vogelfachmann dazu sagen würde, aber ich bin überzeugt: Da hat eben eine Amsel getrillert!
Wenn ich an das Wetter der letzten Tage denke, passt das zum Amselgesang: Wunderbares Spätsommerwetter. Alles wurde noch einmal mit Sonne durchflutet. Da blüht nicht nur die Natur auf, sondern auch die eigene Seele. Wenn die Sonne warm und mild vom Himmel scheint, und die ganze Welt um uns ins goldene Licht des Spätsommers taucht, geht es vielen wie der Amsel: Die Stimmung steigt und man möchte am liebsten lostrillern. Und manche tun das dann auch…
Jetzt, an diesem Wochenende werden viele Menschen fröhlich „lostrillern“. Sie treffen sich zum Chorfest 2008 in Neubrandenburg. Sänger- und Posaunenchöre aus ganz Mecklenburg-Vorpommern sind an diesem Wochenende in die „Stadt der vier Tore“ eingeladen, um miteinander zu singen und zu musizieren. Und jeder, der zuhören möchte, ist auch herzlich willkommen!
Und wenn das Wetter nun schlecht wird? Bleibt den Sängern dann der Gesang im Halse stecken? Nein, ganz bestimmt nicht. Denn hinter allen Liedern, die dort gesungen werden, steht die Erfahrung: Es gibt eine Sonne, die immer in unserem Leben scheint. Es ist die Liebe Gottes. Menschen erleben, dass Gott ihr ganzes Leben plötzlich mit Liebe und Wärme durchflutet. Da steht unser Leben in einem anderen Licht. Da leuchtet es auf, so wie die Natur in den vergangenen Tagen in der Spätsommersonne aufleuchtete.
 
Ich bin froh, dass wir unser Leben immer wieder in dieses Licht stellen können. Ja, ich brauche es, nicht nur meinen Körper, sondern auch meine Seele einfach mal in die Sonne zu halten. Geht es Ihnen auch so?
Am Sonntag werden wir singen von einer Sonne, die unsere Seele wärmt und erhellt:
„Gottes Liebe ist wie die Sonne. Sie ist immer und überall da. Streck dich ihr entgegen. Nimm soviel, wie du willst.“
Ich wünsche Ihnen viel Sonne im Leben!
 
Matthias Bohl, Pfarrer in Zerrenthin