Pommersche Synode ruft Gemeinden zu Gedenkveranstaltungen am 9. November auf

Züssow (rn). Die pommersche Landessynode ruft die Kirchengemeinden auf, am Sonntag, dem 9. November 2008, in Gottesdiensten, Andachten und Gedenkveranstaltungen die Erinnerung an das damalige Geschehen wachzuhalten.
 
Am 9. November vor siebzig Jahren brannten in Deutschland die Synagogen. Auch in Pommern wurden jüdische Menschen verhaftet und gequält, Gotteshäuser und Friedhöfe verbrannt und geschändet. Das Geschehen der Reichspogromnacht leitete den Beginn des Völkermordes an den Juden ein. Wenige Jahre später, im Februar 1941, begann in Pommern als erster Provinz des Deutschen Reiches die Deportation der Juden in die Vernichtungslager.
 
In dem Aufruf, den die Landessynode auf Vorschlag des Bischofs beschlossen hat, heißt es: „Die Erinnerung an das damalige Geschehen erfüllt uns mit Scham und Fassungslosigkeit. Auch unsere Kirche und viele Christen haben damals Schuld auf sich geladen, durch Wegschauen oder verblendetes Mittun. Nur wenige haben Widerstand geleistet.“
 
Die Erklärung der Landessynode im Wortlaut:
„Am 9. November vor siebzig Jahren brannten in Deutschland die Synagogen. Auch in Pommern wurden jüdische Menschen verhaftet und gequält, Gotteshäuser und Friedhöfe verbrannt und geschändet. Die Entrechtung und Entwürdigung von Juden durch die nationalsozialistische Politik erreichte einen Höhepunkt. Das Geschehen der Reichspogromnacht leitete den Beginn des Völkermordes an den Juden ein. Wenige Jahre später, im Februar 1941 begann in Pommern als erster Provinz des Deutschen Reiches die Deportation der Juden in die Vernichtungslager. Nur ganz wenige haben überlebt.
 
Die Erinnerung an das damalige Geschehen erfüllt uns mit Scham und Fassungslosigkeit. Auch unsere Kirche und viele Christen haben damals Schuld auf sich geladen, durch Wegschauen oder verblendetes Mittun. Nur wenige haben Widerstand geleistet. Dietrich Bonhoeffers Warnung vor dem antisemitischen Ungeist und seinen Folgen fand kaum Gehör.
 
Die Synode ruft die Gemeinden der pommerschen Kirche auf, in diesem Jahr am 9. November in Gottesdiensten, Andachten und Gedenkveranstaltungen die Erinnerung an das damalige Geschehen wach zuhalten. Namen jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger sollen der Vergessenheit entrissen werden. Die Verirrung die in einem Glaubenszeugnis, das die Bundestreue Gottes zu seinem Volk Israel in Frage stellt soll benannt und überwunden werden. Zeugnis und Dienst unserer Kirche soll unmissverständlich dafür einstehen, dass neu aufkeimender Judenfeindschaft Widerstand entgegengesetzt wird. Wir dürfen Gott um Vergebung bitten und setzen uns dafür ein, dass durch Neubesinnung ein neuer Anfang im Verhältnis zu Juden möglich wird.“ (27.10.2008)
 
 

Brief an die Gemeinden / Andacht

081024-9NovemberBrief.pdf

081026_9NovemberAndacht.pdf