Und wenn der Weihnachtsbaum rausfliegt?

Bald sieht man sie wieder neben den Müllcontainern oder in einer der Hofecken liegen: Die alten Weihnachtsbäume. Sie sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass Weihnachten nun endgültig vorbei ist.
Wie geht es Ihnen, wenn Sie den Weihnachtsbaum rausschmeißen? Tun Sie es mit einem befreienden Gefühl: „Endlich hört es auf mit dem Nadeln des trockenen Baumes! Endlich wieder Platz im Zimmer!“ Oder behalten Sie ihren Baum solange wie möglich in der Wohnung, um die weihnachtliche Stimmung noch lange genießen zu können? Und wenn er dann doch raus muss, dann hängen an den kahlen Zweigen viele schöne Erinnerungen und auch ein Stückchen Wehmut: „Schade, nun ist es vorbei!“
 
Die Weihnachtsbäume wollen ja den Paradiesbaum symbolisieren. Den grünen Paradiesbaum mit seinen Früchten, die später zu Weihnachtsbaumkugeln geworden sind, holen wir uns zu Weihnachten in die Wohnung. Er ist ein Zeichen dafür, dass ein Stück Paradies bei uns Einzug hält, weil Gott zu uns kommt. Er kommt zu uns durch die Geburt des Jesuskindes. Er zeigt uns damit seine grenzenlose Liebe.
 
Was ist daran paradiesisch? Wir denken beim Paradies an ein Leben in „Saus und Braus“.
In der Bibel wird das Paradies jedoch dadurch beschrieben, dass hier kein Streit, kein Hass, keine Lüge und keine Bosheit herrschen.
Ein Leben in ungetrübter Liebe, wie man es sich sehnlichst zu Weihnachten wünscht. Manchmal leuchtet davon etwas auf im Glanz des Weihnachtsfestes.
 
Und wenn die Kerzen erloschen sind und wir den Baum dann eines Tages wieder rausschmeißen, müssen wir dann auch all unsere Weihnachtssehnsüchte rausschmeißen?
Nein, denn das Kind, dessen Geburt wir zu Weihnachten feierten, will bei uns bleiben. Daran erinnert uns die Nachweihnachtszeit, die im Kirchenjahr Epiphaniaszeit heißt. Sie berichtet davon, wie das Kind erwachsen wurde und als Jesus Christus den Menschen ein Stück „Paradies auf Erden“ brachte. In ihm begegneten die Menschen der großen Liebe Gottes. Das hat ihr Leben heil werden lassen. Da wurde es für sie Weihnachten.
 
So wünsche ich Ihnen, dass das Weihnachtsfest noch lange in Ihnen nachklingt, ganz gleich, ob der Weihnachtsbaum noch in der Stube steht oder schon längst entsorgt ist. Das Kind in der Krippe bleibt. Es will Sie durch das ganze Jahr begleiten – das sind doch eigentlich paradiesische Aussichten für 2009.
 
Pfarrer Matthias Bohl, Zerrenthin