Barmherzigkeit (?)

Liebe Leserinnen und Leser,
 
wie oft ist Ihnen in den letzten Tagen das Wort „Barmherzig-keit“ begegnet? Überhaupt nicht? Dann geht es Ihnen wie mir. Ich frage mich, ist „Barmherzigkeit“ dabei, aus unserem Wortschatz zu verschwinden?
 
Immerhin, jenes Wort, welches das Gegenteil ausdrücken möchte, das finden wir schon: Die Medien berichten über „unbarmherzige Verhältnisse“, und in einem Polizeibericht las ich erst kürzlich wieder von „unbarmherzigen Eltern", die ihre Kinder fast verhungern ließen.
 
Aber wie ist es nun mit der „Barmherzigkeit“? Ich glaube, wenn das Wort auch kaum verwendet wird, so geschieht „Barmherzigkeit“ doch jeden Tag ganz in der Stille in unseren Dörfern und Städten.
Ohne Barmherzigkeit könnten wir nicht menschlich mit-einander leben. Warum? Weil das Leben nicht nur aus Rechnen, Vorausplanen oder „Alles im Griff haben“ besteht. Zum Leben gehört die Liebe. Denken wir einfach an unsere Familie. Wo es um die eigenen Kinder geht, um den Partner, die Eltern, Geschwister, Großeltern, da hört das Rechnen auf, da steht die Liebe und Zuneigung im Vordergrund. Wie oft sehen wir unseren Nächsten ihre Schwächen nach, wagen immer wieder einen Neuanfang, trösten sie, sind mit dem Herzen dabei! Und zugleich wissen wir: Jemanden, der uns annimmt und zu uns hält, trotz unserer Schwächen, den brauchen auch wir.
Im Wochenspruch für die kommende Woche spricht der Prophet Daniel Gott wie ein solches barmherziges Familien-mitglied an, dem man nichts vormachen muss:
„Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzig-keit.“ (Daniel 9,18).
 
Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen
Ihr
Andreas Haerter
(Superintendent)