"Alle waren auf dem Gerüst unterwegs" (07.02.09)

Kirche Leopoldshagen
Pastor Schild und seine Gemeinde haben am Erhalt der Leopoldshagener Kirche selbst mitgewirkt und sind handwerklich oder kreativ tätig geworden.
 
LEOPOLDSHAGEN. „Wer dieses Büchlein nimmt zur Hand, der blicke aus der Zeiten Ferne, wie gläubige Christen bauten GOTT ein Haus, zu Lob und Preis und Dank, ihn allein zu ehren", heißt der einleitende Spruch in einer Broschüre, die anlässlich des 250. Geburtstages der Leopoldshagener Fachwerkkirche von der evangelischen Kirchengemeinde des Ortes 2005 herausgegeben wurde. Die Kirchweihe des Gotteshauses wurde also im Jahre 1755 vollzogen. Das genaue Datum war der 12. Oktober, also der 20. Sonntag nachTrinitatis, ist in dem Buch zu lesen.
 
Zwar nicht 250 Jahre, aber doch schon sehr lange ist Pfarrer Rainer Schild der Hirte der Gemeinde. „Seit dem 1. August 1986 bin ich hier als Pastor tätig", erinnert sich der gebürtige Potsdamer noch genau und lächelt dabei. Pfarrer mit Leib und Seele ist der Wahl-Leopoldshagener, und er hat seine Berufswahl bisher keine Sekunde bereut, wie er sagt. Hört man ihm zu, wenn er über seine Kirchengemeinde spricht, dann weiß man, dass dieses Amt für ihn nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung ist.
 
Schon viel erlebt hat Pastor Schild in seinen mehr als 20 Dienstjahren mit dem Leopoldshagener Gotteshaus und seiner Gemeinde.
So begannen beispielsweise etwa ein Jahr nach seinem Dienstantritt die Restaurierungsarbeiten an der Kirche. „Das ganze Dorf hat mitgeholfen", erinnert sich Pastor Schild. So haben die Bewohner sogar die Einrüstung ihrer Kirche bis zum Turm hinauf selbst übernommen. Dass das wirklich so gewesen ist, dokumentieren zahlreiche Fotografien, die man sich in der Kirche anschauen kann. „Sowohl Männer als auch Frauen spazierten auf dem Gerüst umher", erzählt Rainer Schild und erinnert sich gerne an die Zeit. So hat der gebürtige Potsdamer sogar selbst mit auf dem Gerüst gestanden.
Begonnen wurde damals mit den Zimmermanns- und Maurerarbeiten, denn das Fachwerk war nicht mehr in Ordnung und musste neu ausgemauert werden. Viele fleißige Helfer nutzen die Stunden nach Feierabend, um die Restaurierungsarbeiten zu unterstützen.
Um das nötige Geld für die Bauarbeiten zusammen zu bekommen, wurde Schrott gesammelt und verkauft, Ansichtskarten gebastelt und zu Geld gemacht und sogar exotische Pflanzen gezüchtet, die dann verkauft wurden.
Ein großen Betrag hat aber auch die Landeskirche für die Restaurierungsarbeiten zur Verfügung gestellt. Am 8. Oktober 1989 war es dann endlich soweit, und die erneuerte Kirche wurde mit einem Festgottesdienst eingeweiht.
Gleichzeitig feierte die evangelische Kirchengemeinde die Amtseinführung von Pfarrer Rainer Schild, denn seine Probejahre waren vorüber.
 
2005 hatten die Leopoldshagener dann wieder Anlass zu feiern, denn ihre Kirche ist 250 Jahre alt geworden. „Wir haben zu diesem Anlass 250 Menschen an eine Kaffetafel gesetzt", denkt der Pastor gerne an dieses Ereignis zurück. Mit Tanz und Blasmusik feierten die Leopoldshagener ein ganzes Wochenende.
Kanzelaltar
„Das Besondere an unserer Kirche ist der Kanzelaltar aus dem Spätbarock und die Helligkeit in dem Gebäude", meint der Pastor. Es wurde radikal gebrochen mit dem 19. Jahrhundert in dem alles in einer Farbe gestrichen wurde, die Eichenholz imitierte.
 
 
 
 
 

Kirchengemeinde bangt um ihren Glockenturm

LEOPOLDSHAGEN (UH). Das Sorgenkind der Leopolds-hagener ist der Kirchenturm. Im Turm befanden sich drei Glocken. Eine aus dem 17. und eine aus dem 18. Jahrhundert sowie ein jüngeres Exemplar. Die beiden historischen Glocken kamen um Restaurierungsarbeiten nicht herum, sagt Pastor Rainer Schild. So wurde die älteste Glocke aus dem Jahre 1650 bereits 2007 aus dem Kirchturm entfernt und auf Reisen geschickt. Diese musste laut Rainer Schild auch am aufwändigsten bearbeitet werden. Genau ein Jahr später verließ die kleinere Glocke, eine Safterglocke, Baujahr 1785, die Kirche und wurde zu Restaurations-arbeiten nach Nördlingen* versandt.
Mittlerweile seien zwar beide Glocken repariert zurück, aber die Geduld der Kirchengemeinde werde weiter auf die Probe gestellt, so der Pfarrer. Denn Sorge bereitet der Fachwerk-turm. Der Glockenstuhl darin ist aus Stahl und seine Lebenserwartung ist längst abgelaufen. Geplant ist ein Glockenstuhl aus Eichenholz. Zunächst müssen aber die Turmstatik und die Hölzer überprüft werden. „Momentan bereitet ein Architekt die Schritte der Begutachtung vor, und wir hoffen alle, dass nicht so viel gemacht werden muss", sagt der Pfarrer. Denn das wäre mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden, der den Tag, an dem die Glocken wieder erklingen, in weite Ferne rücken würde.
 
* Anmerkung der Redaktion:
In Nördlingen (Bayern) befindet sich das Glockenschweiß-werk Hans Lachenmeyer, eine Spezialfirma zur Reparatur gesprungener Glocken.
 
 
 
 
 
Textquellen: Nordkurier / Haffzeitung / Uecker-Randow vom 07./08.02.09, S. 18, von Frau Uta Hertzfeldt
Fotos: Kirchenkreis