Passionszeit
Vielleicht erinnern Sie sich an den Schauspieler, der als Meister Nadelöhr so viele Kinderherzen erfreute. Als Vater erlitt er das Schlimmste, was ein Vater erleiden kann. Durch eine Unachtsamkeit beim Rückwärtsfahren mit dem Auto hat er sein eigenes Kind überfahren. Daraufhin nahm er sich das Leben. Mit einer so schweren Last auf seiner Seele wollte und konnte er nicht weiterleben.
Umso unverständlicher ist das Verhalten des folgenden Vaters: Er schickt seinen Sohn, den einzigen, zu seinen Weingärtnern, um die Pacht einzulösen, obwohl er vorher mehrfach erfahren musste, dass diese nicht gewillt sind, ihre Schuld zu bezahlen. Alle bislang gesandten Knechte wurden abgewiesen, geschlagen und sogar getötet. Nun schickt er seinen Sohn ohne Verstärkung, ohne Personenschutz. Und auch der wird getötet.
Leichtsinnig und unverständlich. Denn wenig später hat der Vater offenbar die Truppen, die nötig sind, um die untreuen Pächter und Mörder zur Strecke zu bringen.
Dieses Gleichnis aus dem Markus-Evangelium (Mk.12,1-12) lesen wir morgen in der Kirche. Und dieses Gleichnis handelt von Jesus. Kein menschlicher Vater hätte so gehandelt, aber der himmlische Vater hat es in seiner Liebe zu uns getan. Er schickt uns seinen Sohn, den einzigen, damit der für uns stellvertretend am Kreuz stirbt. Warum? Um all das wegzuräumen, was uns von Gott, dem Vater, trennt: unsere Schuld, die jeder in seinem Leben trägt. Die Schuld, die wir selber nicht ungeschehen machen können.
Wäre das nicht vielleicht irgendwie anders gegangen, einfacher? Nein. Denn dazu musste Gott Mensch werden in Jesus Christus: ein Mensch wie Du und ich. Und musste alles das, was in der Tiefe unserer Seele lastet, ans Kreuz bringen. Gott hat seinen Sohn in das Leiden und den Tod geschickt, um uns damit Freiheit und Leben zu schenken.
Daran denken wir in diesen Tagen und Wochen der Passion. Lassen Sie sich doch einladen in einen morgigen Gottesdienst, um mitzudenken, mitzubeten, mitzusingen und seinen Segen zu empfangen.
Hans-M. Kischkewitz, Pfarrer


