Hoch und tief
Um ein Scheitern zu erleben, muss ich mich in manchen Fällen gar nicht selbst bemühen, besonders erfolgreich zu sein. Auch wenn ich nur mit durchschnittlichem Ehrgeiz ausgestattet bin, ist es möglich, durch unglückliche Umstände Ansehen oder Besitz zu verlieren. Plötzlich ist von einem Tag auf den anderen alles anders.
Zum Palmsonntag gehört die Geschichte von Jesus, der in Jerusalem ankommt und von vielen Menschen begeistert begrüßt wird (Joh.12,12-19). Sie schwenken Palmzweige um ihn zu ehren und werfen ihre Kleidung auf den Weg, damit sein Weg möglichst angenehm weich ist. Jubelrufe und Beifall begleiten seinen Weg. Das tut gut. Das, was Jesus vorgelebt und vorgemacht hat, scheint bei den Menschen im Herzen angekommen zu sein. Wie der neue König wird er begrüßt.
Jesus könnte sich daran freuen, doch gleichzeitig weiß er, dass er eigentlich in eine dunkle Zeit seines Lebens hineingeht.
Hinter den Stadtmauern von Jerusalem warten auf ihn Verrat, Ungerechtigkeit, Spott, Folter und der Tod.
Hochsteigen oder tief fallen – für Jesus selbst waren das nicht die wichtigen Themen in seinem Leben. Ihm ging es darum, seinen Weg – Gottes Weg – zu gehen und zwar stets ehrlich und ohne Rücksicht auf eigene Befindlichkeiten.
Es ist nicht einfach, solch eine Geradlinigkeit durchzuhalten. Doch im Vertrauen auf Gottes Liebe, kann es zumindest ansatzweise gelingen. So wünsche ich mir und Ihnen Mut zu einem Leben, das sich von Hochzeiten und Tiefpunkten nicht grundsätzlich erschüttern lässt.
Pfarrerin z. A. Susanne Leder, Ueckermünde


