Zwischen Karfreitag und Ostern

Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen fragt in einem seiner Sketche: „Warum kaufen die Leute so viel ‚Stilles Wasser’?“ Seine Antwort: „Wegen der Stille!“
Wegen der Stille? Ist doch ein Witz, oder? Natürlich, aber ein Witz mit ernstem Hintergrund. Ist uns doch die Stille fast abhanden gekommen. Wenn wir nicht schon mit dem Radiowecker geweckt werden, ist es oft der erste Knopfdruck: Radio an. In Supermärkten und Kaufhäusern wird unser Einkauf von Musik und Werbung begleitet. Kinder und Jugendliche haben ihre Ohrstöpsel im Ohr, nicht um Stille zu finden, sondern um Musik zu hören. Fast immer umgibt uns ein Geräuschpegel. Achten Sie mal drauf. Selten können wir wirkliche Stille wahrnehmen.
 
Stille hat aber nicht nur mit Geräuschlosigkeit zu tun. Wir brauchen die Stille zum Ruhen, Innehalten und Aushalten. Stille ist heilsam. Der Samstag zwischen Karfreitag und Ostersonntag lädt uns zur Stille ein: es ist der 'Stille Samstag'. Ein Tag dazwischen. Eine Zwischenzeit. Gestern: der Tod. Morgen: neues Leben. Und dazwischen: Stille! Ruhetag!
 
Sie, die Frauen und Männer, die mit Jesus unterwegs waren, mussten nach der Aufregung der letzten Tage ruhen und stillhalten. Sie hatten miterlebt, wie Jesus die Menschen begeistert, geheilt und ermutigt hat. Voller Hoffnung waren sie, dass nun alles besser wird. Dann das Desaster: Gefangennahme, Folter, Hinrichtung. Sie mussten die Kreuzigung mit ansehen. Nach seinem Tod wurde Jesus in ein Felsengrab gelegt. Stein vor! Ruhe!
Ob sie wirklich zur Ruhe kamen? Die Hände ruhten vielleicht. Aber die Gefühle waren durcheinander: Fassungslosigkeit, Trauer, Wut, Ohnmacht, Schmerz, Fragen. Jesus war tot und begraben. Sie konnten nichts tun, sie mussten es aushalten. Keine Ablenkung. Keine Betäubung. Keine Hoffnung? Eine unruhige, aber notwendige Stille. Eine heilsame Zeit. Zeit zum Nachdenken und Innehalten, zum Ausruhen und Kraftschöpfen. Einen Tag lang.
 
Der neue Morgen begann mit einem Schrecken, der sich in Freude verwandelte. Das Grab ist leer. Jesus ist auferstanden. Er kehrte nicht als der Alte zurück. Er war durch den Tod hindurch gegangen. Gottes mächtige Liebe durchbrach alle Gesetzmäßigkeiten und Schranken und rief Jesus ins Leben. Und wir bekennen bis heute: Jesus lebt!
 
Darum ist Ostern ein Jubeltag. Ein Tag der Freude und der Hoffnung. Es soll gelacht werden. Das Fasten hat ein Ende. Gutes Essen soll auf dem Tisch stehen. Und Wein soll des Menschen Herz erfreuen. Das Leben behält den Sieg, nicht der Tod. Lasst uns das Leben feiern! Und die Stille davor aushalten!
Der Karsamstag ist der 'Stille Samstag'. Auch für Sie vielleicht ein Tag der Stille zum Ausruhen und Innehalten?
Ich wünsche Ihnen die Erfahrung der heilsamen Stille und fröhliche Ostern!
 
Ihre Dorothea Sattler,
Krankenhausseelsorgerin