Was soll ich anziehen?

Was soll ich bloß anziehen? Der Blick wandert im Kleiderschrank hin und her, nach oben und unten. Alles hängt dicht gedrängt und stapelt sich übereinander. Doch irgendwie scheint trotzdem nicht das Richtige dabei zu sein.
Was soll ich bloß anziehen? Das habe ich mich in den letzten Wochen oft gefragt, wenn das Wetter mal wieder zwischen frisch am Morgen und heiß am Nachmittag schwankte. Kurze Sachen und erstmal ein bisschen frieren oder lange Sachen und später schwitzen?
 
Um das Thema Anziehen geht es auch in einem Bibelwort für den Sonntag. Es ist eine besondere Kleidung, von der da die Rede ist: „So zieht nun als die Geliebten Gottes herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld.“ (Kolosserbrief 3,12).
Wer hat schon so etwas in seinem Kleiderschrank? Wo bekomme ich das her und wird es mir dann überhaupt passen?
Freundlich und sanftmütig begegnet mir Gott. Er möchte das Beste für mich und hat Geduld mit mir. Er ist da, wenn ich ihn brauche. Er begleitet mich auf meinen Wegen und achtet auf mich. Gott lässt mich viel Gutes sehen und erfahren. Er weiß auch, was mir gut steht. Deswegen rät er mir, selbst diese besondere Kleidung anzuziehen. Ich soll sie nicht in meinem Schrank hängen lassen, sondern sie anderen Menschen zeigen.
Ob sie mir passen? Das kann ich wohl nur herausfinden, wenn ich mich auf sie einlasse und sie anprobiere. „Zieh an Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld!“ Warum nicht einmal so unter die Leute gehen?
 
Pfarrer Stephan Leder, Ueckermünde