Typisch christlich
Das alles kenne ich längst. Und kaum jemand der Gottesdienstbesucher wird an der Wahrheit dieser Erinnerung zweifeln.
Und doch bin ich erst einmal hilflos. Wie bringe ich diese Wahrheiten in dem normalen, hektischen und hartem Alltag unter ?
Derzeit verlieren um mich herum viele ihren Arbeitsplatz. Die Sorge um die Zukunft ist oft bedrückend. Wie von selbst geschieht es, dass die, die Arbeit haben, immer mehr gefordert werden. Da bleibt oft kein Raum mehr über die wichtigen Gedanken an Mitmenschlichkeit. Zumal die immer schwerer zu finden ist. Man muss ja wirklich beim Mitfühlen sehr vorsichtig sein. Mit Gewissenlosigkeit muss ich dort, wo es ums Geld geht, normaler Weise rechnen. Manchmal erkennt man die Räuber, unter die man fällt, in unserer Zeit gar nicht mehr. Und natürlich gibt es inzwischen viele, die Gutwilligkeit und Mitleid einfach ausnutzen. Manchmal sogar gewerbsmäßig. Wer dazwischen durch kommen will, kommt um harte Entscheidungen nicht herum.
Aber vielleicht sind die großen, alten Erinnerungen gerade darum in unserer Zeit wichtig. Denn die Mitmenschlichkeit, das Mitfühlen ist ja eine Lebensqualität. Unser Leben wird immer leerer, je mehr nur das Geld gilt und je härter und gefühlsloser wir leben.
Darum sind für mich die Erinnerungen dieses Sonntags gut. Ich will sie nicht als moralischen Aufruf oder Pflicht verstehen. Ich will mich erinnern lassen an das, was unser Leben wertvoll macht. Alles, was wir tun, hat nur wirklichen Wert, wenn wir dabei ganz bei der Sache sein können. Alles andere wird verflogene, oberflächliche Lebenszeit sein. Das zu lernen und durchzuhalten ist nicht selbstverständlich, aber doch lohnend. Ein Gottesdienst wird dazu sicherlich nicht reichen. Das bleibt eine lebenslange Schule. Aber wertvoll ist die Erinnerung dennoch. Vielleicht hilft sie uns, damit wir nicht abstumpfen bei dem, was so normal als wichtig gilt.
Es grüßt Sie Pfarrer Sattler
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