Vergesslichkeit
Hier und da wird auch von einem schönen Ereignis berichtet, aber längst nicht so ausführlich.
Ähnliches erlebe ich abends bei den Nachrichten: Krisen, Probleme, Gewalt bestimmen die Berichte. Passiert auch etwas Gutes, etwas Hoffnungsvolles? Außer beim Sport oder beim Wetter entdecke ich nicht viel.
Eigentlich ist es gar nicht nötig, so weit in die Welt zu schauen. Es fängt bei mir selbst an. Das Gute, was mir widerfährt, zu sehen und mich daran zu erinnern, passiert nicht oft. Die Schwierigkeiten drängen sich eher in den Vordergrund.
Doch es gibt vieles Gutes, was geschieht, und es ist an der Zeit, dass ich es mir bewusst mache.
Wir haben eine Erinnerung daran nötig. Schon in den Psalmen – dem Liederbuch der Bibel – wird gedichtet: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Viele Menschen sind vergesslich in Bezug auf das Gute, was uns passiert: einen Sonnenaufgang mitzuerleben, ein Lächeln geschenkt zu bekommen, bei schöner Musik zu träumen und … erinnern Sie sich?
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Für mich steckt in diesen Worten eine ganze Lebenshaltung. Zunächst ist es eine Erinnerung gegen unsere Vergesslichkeit, ein Denkzettel, den wir überall hinheften müssten. Denn das Gute, was uns widerfährt, vergisst man manchmal sehr schnell. Und diese Art von Vergesslichkeit ist bei jungen Menschen mindestens ebenso häufig wie bei älteren. Vor allem wird oft der Dank an die richtige Adresse vergessen. Doch wer sich aufrafft, Gott zu loben, der gewinnt einen ganz neuen Blick auf sein Leben. Das tut der Seele gut.
Vielleicht versuchen Sie, diesen Satz einmal für sich zu sagen und haben Sie den Mut, dabei Ihren eigenen Namen einzusetzen: Lobe den Herrn, …, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Pfarrerin Susanne Leder, Ueckermünde-Liepgarten


