Gewinner - Verlierer

Liebe Leserin, lieber Leser,
erinnern Sie sich auch noch an die Bilder, als Milchbauern aus Protest Milch auf die Straße gossen? Was musste geschehen sein, dass ein Bauer Konkurs anmeldet, weil er vom hart erarbeiteten Ertrag seiner Milchproduktion nicht mehr verantwortbar wirtschaften und leben kann?
Wer die Lasten der Finanzkrise wirklich trägt, wird hier sichtbar. Es sind Menschen, die durch ihrer Hände Arbeit Werte schaffen und immer mehr gezwungen werden ihre Arbeitsleistung unter ihrem Wert zu verkaufen.
 
Die Not ist mit Händen zu greifen. Man sagt: „Das liegt an der Finanzkrise!“
Was ist eine Krise? Ich nenne das den Beginn einer jeden Krise, wenn Menschen gegenüber anderen benachteiligt werden. Wenn die Verteilung und Bewertung von Arbeitsleistungen nach ungerechten Maßstäben geschieht. Wenn Menschen um jeden Preis ihren Vorteil aus der Benachteiligung anderer ziehen.
 
Im Lukasevangelium Kap. 12, Vers 18-19 erzählt Jesus in einem Gleichnis von einem ganz anderen Bauern. Dieser hatte eine gute Ernte einfahren können und trifft folgende Entscheidung:
„Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!“
Der Manager in unserem Gleichnis hatte großen Gewinn gemacht. Er glaubte doch tatsächlich, dass er durch ungeteilten Gewinn Ruhe für seine Seele finden würde. Jesus nannte ihn einen Narren.
Er war vom Leben entfernt, war unfähig, andere einzuladen und an seiner Freude teilhaben zu lassen. Er war auch unfähig, den empfangenen Segen mit anderen zu teilen.
 
Glauben Sie, dass es bei der Bankenkrise nur Verlierer gab und geben wird? Und sind die Gewinn(l)er dieser Krise wirklich Gewinnende? Durch ihr Handeln könnten sie die Überlebensmöglichkeit mit anderen teilen und wären wirkliche Gewinner. Genau dazu lädt Gott uns ein. Das wäre ein Erntedankfest, das alle gerne feiern würden.
Aber vielleicht kann das Fest doch schon beginnen, wenn Sie den Gewinn ihres Leben entdeckt haben. Das wünsche ich Ihnen für jeden neuen Tag.
 
Ihr Pastor U. Wollenberg