Jeder ist seines Glückes Schmied - wirklich?

Der Mensch ist ein hoffnungsloser Glücksjunkie. Da Glücksmomente oft so kurzlebig sind, sind wir ständig auf der Jagd nach einem neuen Kick. Was sind nun die großen Glücksauslöser in unserem Leben? Laut Focus-Umfrage vor einigen Jahren bringt die Beschäftigung mit Menschen den größten Glücksgewinn (Platz 1: Beschäftigung mit den eigenen Kindern, Platz 2: Zusammensein mit dem Partner). Aber auch Urlaub, Arbeit, Hobbys, Sport und Einkaufen können den gewünschten Glückseffekt bringen. Dabei gilt bei Vielen noch der alte Satz, dass ja jeder selbst für sein Glück verantwortlich ist. Es liegt an mir, ich habe es selber in der Hand. Ich muss mich kümmern. Aber kann ich mir mein Glück wirklich selbst schaffen?
 
Vor fast 500 Jahren hat sich der Mönch Martin Luther mit der Frage herumgeschlagen: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Modern ausgedrückt würde es heißen: „Wie kann ich glückliches, gelingendes Leben haben?“ Bei Luther gab’s von Glück keine Spur, vielmehr war er geprägt von der Angst, Gott nicht zu genügen.
Viele Menschen haben sich inzwischen von Gott losgemacht. „Gottlos glücklich“, so stand es im Sommer auf einem Bus zu lesen, der durch Deutschland tourte. Ist unsere Gesellschaft deshalb glücklicher geworden? Wohl kaum. Martin Luther wurde ein veränderter, ein glücklicher Mensch, weil er entdeckte: Gott liebt mich ohne Vorbedingungen. Jesus Christus hat es so ausgedrückt: „Glücklich zu preisen sind die, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich."(Mt.5,3) Das heißt doch, ich muss nicht immer um mein Glück kämpfen. Bei Gott kann ich mich fallen lassen, kann schwach sein, denn er ist ja stark. Bei ihm muss ich nicht perfekt sein, er liebt mich doch auch so. Wer das begriffen hat, der kann zu Gott sagen: „In dir habe ich das Glück meines Lebens gefunden. Denn deine Liebe macht mich stark, mein Leben tapfer anzupacken und deine Kraft in mir überwindet alles, was mich zerstören will: meine Angst und meine Mutlosigkeit, meine Schuld und meine Hoffnungslosigkeit. Du hast auch die Macht des Todes überwunden und ich darf Heimat bei dir finden.“
Ich wünsche Ihnen in der kommenden Zeit viel Glück.
 
Andreas Eibich, Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft
 
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