St. Nikolaus von Myra

Ein märchenhafter Zauber breitet sich aus in der Adventszeit. Lichter überall, Weihnachtsmärkte erzeugen eine besondere Atmosphäre, Krippenspiele werden vorbereitet, Konzerte angeboten, Märchenspiele aufgeführt, Engel kommen uns entgegen und weißbärtige Männergestalten begegnen uns. Wir lassen uns gerne mit hinein nehmen in diese Zauberwelt. Wenn dann noch leise der Schnee vom Himmel rieselt, dann ist die vorweihnachtliche Stimmung komplett.
Dabei bildet der Nikolaustag einen Höhepunkt. Die frisch geputzten Schuhe werden vor die Tür gestellt in der Hoffnung, dass sie am nächsten Morgen mit süßen Überraschungen gefüllt, wiedergefunden werden.
Wie so oft sind die vermeintlichen Wunder Geschenke, die von Menschenhand heimlich in die Stiefel getan worden sind. Ein Brauch, der auf den Bischof Nikolaus von Myra zurückgeht, der im 4. Jahrhundert lebte. Viele Legenden ranken sich um sein Tun. Besonders den Kindern soll er immer wieder zur Seite gestanden haben. Schon bald wurde er in Myra und Byzanz und dann in späteren Jahrhunderten auch in Deutschland und Europa als Patron der Schüler und der Schule verehrt. Nikolaus kommt, verhört die Kinder, belohnt und bestraft sie, je nach Leistung. In dieser Funktion wurde er dann später zum allseits bekannten Weihnachtsmann. Der rote pelzbesetzte Mantel ist das letzte Überbleibsel seines Bischofsornats.
Wie allgemein in der Heiligenverehrung bringt die Reformation auch für den Heiligen Nikolaus eine Veränderung. Nach dem Grundsatz, dass durch Christus alles, durch die Heiligen aber nichts zu erwarten sei, wurde zwar der Brauch, die Kinder zu beschenken und zu überraschen, durch Martin Luther beibehalten, aber das Christkind wurde nun mit in das Blickfeld genommen. So schreibt Luther: „Gleichwie man die Kindlein gewöhnet, dass sie fasten und beten und ihre Kleidlein des Nachts ausbreiten, dass ihnen das Christkind oder St. Nikolaus etwas bescheren soll. Wo sie aber nicht beten, ihnen nichts bescheret oder ihnen Rute und Pferdeapfel bescheret.“
So streng sind wir heute wohl nicht mehr. Die Tradition jedoch, dem Weihnachtsmann etwas aufzusagen, ist vielerorts geblieben.
Eigentlich jedoch ist die Geburt des Kindes Jesus zu Bethlehem das Ereignis, auf das in dieser Zeit hingewiesen und hingelebt werden soll.Von Jesus Christus geht das besondere Licht aus, das diese Zeit durch alle Jahrhunderte hindurch geprägt hat. Bischof Nikolaus wollte mit seinen kleinen Geschenken etwas vom dem großen Geschenk weitergeben, das uns zu Weihnachten von Gott beschert wird.
 
Klaus-Thomas Kurth,
Pfarrer in Hetzdorf