Gutes tun - aus Überzeugung

„Soll halt jeder machen, was er für richtig hält“ – diese Überzeugung begegnet mir immer wieder. Das klingt im ersten Moment sehr tolerant und weltoffen. Ich lasse jedem seine Meinung und will ihn nicht für mich vereinnahmen. Jeder kann so leben, wie er das möchte, individuell, kreativ und nach seiner Überzeugung. Ja, das gefällt mir. Ich möchte mit meiner Lebensauffassung auch geachtet und respektiert werden, selbst wenn sie anders ist als die anderer Menschen.
Gleichzeitig beschleicht mich ein gewisses Unbehagen. Wenn nun zwei Personen völlig gegensätzliche Meinungen haben? Wenn nun jemand meint, nur ein Teil der Menschheit wäre etwas wert und einige nicht? Wenn nun einer auf Kosten anderer seinen Lebensstil durchdrückt?
An dieser Stelle ist es sinnvoll, über die eigene Überzeugung nachzudenken. Welche Maßstäbe möchte ich ansetzen? Maßstäbe, die nur mich bevorzugen oder welche, die dem Zusammenleben der Menschheit und der Schöpfung auf diesem Planeten dienen? Oder tut es mir letztlich sogar gut, wenn ich auch an die anderen denke?
Dieser Auffassung ist Paulus im Römerbrief und er macht ganz konkrete Vorschläge, wie das aussehen kann: „Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedem. Soweit es möglich ist und auf euch ankommt, lebt mit allen Menschen in Frieden.“ (Röm.12,17) Natürlich fällt einem das nicht immer leicht. Aber es hilft, wenn man aus der Gelassenheit lebt, dass diese Welt letztlich in Gottes liebender Hand liegt.
 
Helga Warnke, Pfarrerin in Pasewalk