Wie ein warmer Mantel

„Wie war das früher bei dieser Kälte?“, frage ich die ältere Frau. „Haben Sie da nicht furchtbar in ihren Häusern gefroren?“ „Ach was!“ antwortet sie, „Wir haben uns eben warm angezogen. Nur im T-Shirt, so wie heute, konnte man damals natürlich nicht im Haus rumlaufen. Dicke Wollstrümpfe und warme Wollpullover haben wir getragen. Man musste sich eben viel anziehen. Und in den Schlafkammern war es nachts eisig kalt. Aber unter einem dicken warmen Federbett haben wir nicht gefroren.“
 
Als ich das Haus dieser Frau verlasse, schlägt mir ein eisiger Wind entgegen. Ich bin froh, dass ich eine dicke Jacke und eine warme Mütze habe. Da kann mir die Kälte erst einmal nicht schaden.
 
So wie ein dicker warmer Mantel oder ein wollener Pullover, so ist die Liebe. Wo sie um die Menschen gelegt wird, da ist es warm. Da fühlt man sich wohl, auch wenn sonst so manch vertrauter Standart fehlt. Das berichtet auch ein junges Mädchen von ihrem Auslandsjahr in Lateinamerika. Da gibt es eine Familie, in deren Haushalt es kein fließendes Wasser und nur selten Strom gibt. Und nur wenige Bewohner haben ein Bett für sich alleine. Aber all das stört sie nicht, denn unter diesen Leuten spürt sie eine große Liebe. Die dort erfahrene Liebe ist für sie wie ein warmer Mantel, der alle materiellen Entbehrungen aufhebt.
Wo diese Liebe fehlt, kann es hingegen auch in einem Luxushaus eisig kalt werden.
 
Das wusste auch schon Paulus. Darum erinnert er in einem Brief die Gemeinde in Korinth daran: Vergesst die Liebe nicht. Ohne die Liebe ist alles nichts nütze! Weder euer Glaube, noch euer Wissen und erst recht euer Besitz. „Wo ihr die Liebe nicht habt, ist alles nichts nütze!“ Aber, so Paulus weiter: "Wir haben die Liebe als gute Gabe Gottes!"
An diesem Sonntag wird in vielen Gottesdiensten wieder über diese Paulusworte, das sogenannte „Hohelied der Liebe“ gepredigt. Eigentlich wissen wir ja, wie wichtig die Liebe ist. Eben wie ein warmer Mantel! Und wir haben die Liebe als gute Gabe Gottes!
 
Ich wünsche uns, dass es uns gelingt, uns und anderen immer wieder diesen warmen Mantel der Liebe umzulegen, damit keiner in frostiger Atmosphäre frieren muss, auch nicht in unseren warmen Häusern und Büros.
Auf die Liebe kommt es an! Dazu noch einmal Paulus: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1.Kor.13,13)
 
 
Matthias Bohl, Zerrenthin