Leben vom Anfang bis zum Ende

Angefangen habe ich, ohne dass ich gefragt wurde. Und enden werde ich wohl auch, ohne dass ich gefragt werde … Zwischen Anfang und Ende: mein Leben. Wie eine Zugreise ins Ungewisse ohne Rückfahrkarte. Ein Abenteuer mit mir selbst als Gegenüber, als Vertraute, als Gegnerin. „Mach das Beste draus!“, geben sie mir mit auf die Reise.
 
Das Beste, für wen? Für mich, für die andern, für den Augenblick, für die Ewigkeit? Wer macht das Beste draus? Der sich einrichtet, es sich bequem macht in seinem Leben? Der ohne Probleme durchkommt? Oder heißt das Beste nicht etwas Anderes? Mut haben, den Gartenzaun grün zu streichen in einer trüben Stadt oder die Haare blau in einer biederen Gesellschaft. Anzuklopfen. Aufzumachen. An die Clowns zu denken und an die Grabsteine. Mit Kinderaugen zu sehen und mit Kinderherz zu lieben. Ohne mich zu versichern, ohne eine Rolle zu spielen, ohne Angst. Mir meine Zeit zu nehmen und nicht zu vertreiben. Die sicheren Parkplätze zu verlassen, aber nicht, um auf der Überholspur um die Wette zu jagen.
 
Es gibt Zeiten, da reichen mir schon ein gutes Glas Rotwein, ein französisches Essen oder ein schöner Kinofilm, um mich gut und sicher zu fühlen. Doch diese Zeiten verfliegen schnell und allzu oft bleibt nichts zurück, an das ich mich anlehnen kann; nichts, woran ich mich festhalten kann.
 
Deshalb nehme ich mir hin und wieder Zeit für meine tiefen Fragen, für mich selbst und mein Leben, für meinen Glauben. Und so probiere ich den Glauben an ein „Du“, an einen Ursprung und eine Heimat, an meinen Gott, an das Leben. Ich probiere, ob dieser mein Glaube passt, zu mir passt, ob er trägt. Wichtig sind mir dann oft Gedanken aus Psalm 139:
„Gott, du kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Du hast mich gebildet im Mutterleibe. Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.“
Für mich bedeuten diese Worte: Gott umfängt mein Leben vom Anfang bis zum Ende und darüber hinaus. Und auch, wenn ich mit all meinen Fragen wohl nie zu Ende sein werde, beginne ich zu erahnen, dass er die letzte Antwort ist.
 
Sandra Kussat-Becker, Schulpfarrerin