Ehe - Was ziehe ich nur an?

Der Mai ist ein beliebter Monat, um zu heiraten. Wohl auch, weil er der erste Monat im Jahr ist, in dem die Sonne beständiger wärmt und deshalb das „Ja“ zu einander leichter fällt.
Eine Ehe soll wie jede Freundschaft oder andere Beziehung länger als einen Sommer halten. Wer eine Hochzeit für sich plant und organisiert, der hat nicht schon die nächste im Blick. Dieses Fest soll möglichst einmalig im Leben sein. Damit dies gelingt, brauche ich mehr, als nur die warme Frühlingsluft.
 
In einem Text, der bei fast jeder kirchlichen Trauung gelesen wird, heißt es: „Zieht nun an … herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Freundlichkeit und Geduld. Ertragt einander und verzeiht einander … Über dies alles aber zieht die Liebe an, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Christi regiere in euren Herzen.“ (Kol.3)
Das schönste Hochzeitskleid nützt nichts, wenn Liebe und gegenseitiges Entgegenkommen nicht mit angezogen werden. Diese Kleidung braucht eine Beziehung auch über den Hochzeitstag hinaus.
Wo ich mit anderen Menschen zusammenlebe, brauche ich dieses Band der Liebe, das mir hilft, die Stärken und Schwächen der anderen zu erkennen und auszuhalten.
Güte, Demut und Geduld sind Wünsche, die nicht oft mit auf den gemeinsamen Lebensweg gegeben werden und doch sehr wichtig sind. Es geht dabei nicht um Unterdrückung oder Ausnutzung, sondern darum, meine eigenen Wünsche nicht immer in den Vordergrund zu stellen. Ich brauche die Bereitschaft zu einem Kompromiss. 'Das ist wohl ein Geheimnis einer guten und langen Beziehung', so erzählen es mir Paare, die silberne oder goldene Hochzeit feiern.
 
Es ist wichtig, gut miteinander zu streiten und noch wichtiger, auch wieder aufeinander zugehen und verzeihen zu können. Dann kann man wohl das erleben, was in der Bibel als der 'Friede Christi' beschrieben wird: ein Frieden untereinander und mit Gott, der davon lebt, dass Freude geteilt wird, Probleme geduldig geklärt werden und ein liebevoller Umgang nicht aufhört.
So angezogen, lässt es sich gut miteinander leben.
 
Pfarrerin Susanne Leder, Ueckermünde-Liepgarten