Pfingsten
Auf dem Pfingstfest liegt eine besondere Betonung – wie Weihnachten und Ostern zwei Festtage. Hervorgehoben unter gewöhnlichen Wochenenden in unserem Kalender knüpfen wir besondere Erwartungen an diese Tage. Körper und Seele sollen verschnaufen. Wir möchten Zeit haben für Besuch, Begegnungen im Kreis von Familie und Freunden. Ausflug oder Kurzurlaub gestalten, ohne gleich daran denken zu müssen, dass am Montag in aller Frühe der Wecker klingelt. Und die Börse hat zu – keine neuen Hiobsbotschaften vom Parkett. Auch Politiker, Finanzjongleure und Wirtschaftskluge feiern Pfingsten – die Zahl der Krisensitzungen, Orakel und Aufregerrunden im Studio reduziert sich! Bangkok kommt zur Ruhe; in Kabul und Kundus kein neuer Anschlag – ein bisschen Frieden, ein bisschen Hoffnung für Männer und Frauen in der Ferne wie auch für Familien und Freunde zu Hause!
Oder müssen solche Erwartungen unerfüllt bleiben, weil wir die Pfingstbotschaft in ihrem Kern immer noch nicht verstanden haben, der da lautet: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr.“ (Sacharja 4, Vers 6)
Mehr und mehr leiden wir unter dem Eindruck chaotischer Verhältnisse in der persönlichen Lebenssituation, in Tagesnachrichten und globalen Zusammenhängen. So kann es doch nicht weitergehen! Dieser Aufschrei ist permanent da, ausgesprochen oder als lautlose Klage. Daraus folgt – so können wir doch nicht weitermachen!
Liebe Lesergemeinde! Am Sonntag werden in Leopoldshagen zwei Kinder getauft. Taufe verändert das Leben von Grund auf – das Alte ist vergangen; ein neuer Anfang wird gesetzt. Zwei Menschen beim Aufbruch in ihr Leben – die Ausrichtung geben ihnen Eltern, Paten, Gesellschaft, christliche Gemeinde, als Wegbereiter und Wegbegleiter: aber welche? Die gleiche, die die Welt seit Jahrtausenden ordnet, der sich Weltreiche, Despoten und nicht zuletzt die Kirche in ihrer Geschichte immer wieder verschrieben haben? Wozu wollen wir Kinder und Jugendliche befähigen – dass sie gut gerüstet sind für eine Welt, in der Heere, politische und wirtschaftliche Kräfte unwidersprochen das Dasein bestimmen? Wir brauchen Träumer; unsere Welt kommt nicht aus ohne die Visionäre, die tatsächlich wie in der Pfingsterzählung des Lukas die Flammen der Begeisterung über den Köpfen der Jünger sehen können. Menschen die erfüllt und begeistert sind vom Geist des Vertrauens, der Ermutigung, des Trostes und der Hoffnung – dem Geist der einst zu Pfingsten ausgegossen wurde! Wir ahnen es: das täte uns wirklich gut.
Ein gesegnetes und frohes Pfingstfest wünscht Ihnen,
Ihr Pastor Rainer Schild, Leopoldshagen


