Ein W e s t f a l e in Pommern - Ein Interview mit dem Bischof der Pommerschen Evang. Kirche

Bischof Abromeit
Dr. Hans-Jürgen Abromeit wurde 1954 geboren. Nach dem Theologiestudium in Wuppertal und Heidelberg war er Vikar in Jerusalem, Pfarrer in Gevelsberg (Westfalen) und wiss. Assistent für Praktische Theologie und Religionspädagogik in Münster. Er wurde 1994 Dozent am Pastoralkolleg der Ev. Kirche von Westfalen und später am Institut für Aus- Fort- und Weiterbildung in Villigst/Westf. Seit September 2001 ist er Bischof der Pommerschen Evang. Kirche. Er ist verheiratet und hat fünf Kinder.
 
Bruder Abromeit, können Sie sich noch daran erinnern, mit welchen Gedanken und Gefühlen Sie 2001 nach Pommern gekommen sind?
Ich kann mich noch gut erinnern, denn die Zeit ist mir wie im Fluge vergangen. Ich bin aus Westfalen gekommen voller Erwartung auf die Zusammenarbeit mit Christenmenschen in einer zwar kleinen und auch gebeutelten Landeskirche, die ich aber als höchst engagiert erlebt hatte. Ich habe mich sehr gefreut auf diesen Dienst in der Pommerschen Evangelischen Kirche, mit dem ich mithelfen wollte, dass die Menschen in Vorpommern auch in Zukunft lebendige Gemeinden und hilfreiche übergemeindliche Dienste vorfinden sollten. Von meinen früheren Besuchen in Pommern war ich begeistert von den Menschen, die ich getroffen habe, und einer wunderschönen Landschaft. Ich bin nicht enttäuscht worden. Bis heute nehme ich meinen Dienst, der nicht immer leicht ist, gerne wahr.
 
Was ist für Sie das Spezische an unserer Landeskirche und was verbinden Sie mit der Region Gartz-Penkun?
Die Pommersche Evangelische Kirche ist die durch die Reformation gegangene christliche Kirche in unserer Region. Das wissen die Menschen, oder empnden es zumindest, auch wenn sich die Mehrheit nicht mehr als Mitglied der Evangelischen Kirche versteht. Aber sie wissen: Die Kirche gehört zu unserer Region und zu unserer Geschichte. Sie ist keine Sekte, sondern sie ist für alle Menschen da. Die Pommersche Evangelische Kirche ist tief mit der Geschichte Pommerns verbunden. Sie kann auch wichtige Dienste für die Zukunft des Landes leisten.
In der Region Gartz-Penkun war ich immer wieder, um Gemeinden oder Pastoren zu besuchen. An einer Reihe von Orten, z.B. in Gartz und Penkun, habe ich Gottesdienste gehalten. Die jüngeren Pastoren habe ich alle ordiniert. Bei Ihnen nehme ich wahr, dass sie über Gemeindegrenzen hinweg gut zusammenarbeiten. Jeden Monat lasse ich mir im Superintendentenkonvent von den Entwicklungen in den Kirchenkreisen berichten, natürlich auch aus Ihrer Region.
Und nicht zuletzt höre ich viel aus der Region Gartz-Penkun von der Sekretärin der Bischofskanzlei, Frau Sieglinde Zehm. Sie ist nicht nur in Luckow geboren, sondern unterhält auch bis heute - vor allen Dingen über ihre Verwandten - lebendige Beziehungen in ihre Heimat. So erfahre ich wöchentlich Neues aus diesem südlichsten Teil unserer Landeskirche.
 
Vieles hat sich in den vergangenen neun Jahren in Kirche und Gesellschaft verändert. Was ist für Sie dabei am Gravierendsten?
Was mich am stärksten belastet, ist der radikale Rückgang der Mitgliederzahlen unserer Kirche. Die Alten sterben weg und die Jungen gehen weg. Und es kommen nicht in gleichem Maße durch Taufe neue Gemeindeglieder hinzu. In neun Jahren ist die Mitgliederzahl unserer
Landeskirche um 30.000 Gemeindeglieder geringer geworden. Bei einer Reduktion von 126.000 auf 96.500 ist das sehr, sehr viel. In den letzten Jahren hat sich der Rückgang etwas verlangsamt, aber er ist immer noch gewaltig. Das war auch der Hauptgrund, weswegen ich vorgeschlagen habe, mit unseren Nachbarkirchen zusammen zu gehen. Aller Voraussicht nach werden sich Pngsten 2012 die Nordelbische, die Mecklenburgische und die Pommersche Kirche zur Nordkirche vereinigen.
 
Worin sehen Sie dabei die größten Chancen und welche Veränderungen wird dies mit sich bringen?
Wir werden mit unseren Partnern in Nordelbien, die uns auch schon in den letzten Jahrzehnten stark unterstützt haben, eine Kirche bilden. Als Teil einer großen evangelischen Kirche in Norddeutschland werden wir weiterhin genügend Pfarrstellen vorhalten können, dass wir dann auch in der Fläche präsent bleiben können. Die Zusammenlegung von Pfarrstellen und Gemeinden muss nicht immer so weitergehen.Wir sind da wohl auch an eine Grenze gekommen. Allerdings ist die Aufgabe von Souveränität immer schmerzlich. Wenn wir keine eigene Landeskirche mehr sind, müssen wir vieles so machen, wie es die Mehrheit innerhalb der Evangelischen Kirche in Norddeutschland machen möchte.Wir können uns auch nicht mehr selbst in der EKD, in der Kirchenkonferenz und der Synode vertreten. Aber ich glaube, dass die Gemeinden von diesen Veränderungen relativ wenig spüren werden.
 
Unsere Gemeinden liegen am Rand der Pomm. Kirche, im Bundesland Brandenburg. Wie können Sie dazu beitragen, dass diese Region zukünftig nicht ganz aus den Augen verloren wird?
Mein Eindruck ist durchaus nicht, dass der Gartz-Penkuner Bereich aus dem Blick gerät. Dafür sorgen schon die Pastoren, die in der Landeskirche, in Landessynode und Generalkonvent frisch auftreten und eine Reihe von Ehrenamtlichen, die aus Ihrem Bereich kommen, und wichtige Ämter in der Landeskirche übernommen haben. Einer davon ist z. B. Herr Banditt, der der Kuratoriumsvorsitzende der Bugenhagen-Stiftung geworden ist, die missionarische und diakonische Aufgaben in unserer Landeskirche unterstützt. Gerade eben hat davon auch die Evang. Salveytal Grundschule in Tantow protiert. Ich selber lasse mich stets über die Entwicklung in Ihrer Region auf dem Laufenden halten und weiß ganz gut, was bei Ihnen so vor sich geht. Aber am schönsten ist es natürlich, wenn dazu auch Besuche kommen. Deswegen freue ich mich auf den Gottesdienst und das Gemeindefest am 10. Juli in Hohenselchow.
 
Bruder Abromeit, wir danken Ihnen für diese offenen Antworten und freuen uns auf Ihren Besuch in Hohenselchow zu unserem Gemeindefest am 10. Juli.
 
(Foto: Pressestelle PEK, Interview: S. Gabriel)