Was habe ich mich geärgert!

Der Tag begann so schön. Draußen war herrlichster Sonnenschein, die Vögel zwitscherten und es schien ein guter Tag zu werden.
Und dann mehrere Anrufe. Die Stimmung sank im Sturzflug. Das eine Problem wollte mir gar nicht mehr aus dem Kopf gehen. Immer wieder schüttelte ich mich, als könnte ich es abschütteln. Es hatte mich doch mehr getroffen, als ich zuerst dachte. Meine Gedanken kreisten um dieses Problem herum. Mit jeder Umkreisung sank meine Stimmung weiter.
Darüber ärgerte ich mich nun auch noch.
Ach, könnte man Denken und Fühlen einfach voneinander trennen! Das würde alles viel einfacher machen. Aber wer kann das schon? Ich kann es jedenfalls nur sehr schwer.
 
Zwei Tage vergingen und am dritten Tag lag eine Karte in meinem Postkasten. Darauf stand kunstvoll geschrieben: „Jedes Problem hält ein Geschenk in der Hand“. Auf der Rückseite standen sehr persönliche Zeilen geschrieben.
Es war, als würde in diesem Moment mein Problem schrumpfen. Und nicht nur das, sondern mein Herz hatte ein Geschenk bekommen. Ein paar gute Worte reichten, um die Welt wieder sonniger zu machen.
Manche Probleme bekommen wir wohl, damit wir in Bewegung bleiben und nicht erstarren. Aber mitten in der „Problemattacke“ ist Herz und Verstand im Ausnahmezustand und es geht einem einfach schlecht. Zum Glück klärt sich vieles mit der Zeit und man findet wieder zurück zum eigenen Gleichgewicht.
 
Es gibt eine schöne Geste, die ein bisschen helfen kann, nicht zu schnell das eigene Gleichgewicht zu verlieren.
Ich halte meine Handflächen wie zu einer Schale geformt aneinander. In die eine Hand lege ich meine Probleme, meine Ängste und Sorgen. In die andere Hand lege ich mein Vertrauen, dass es eine Lösung, eine Verbesserung geben wird. Ich klappe beide Handflächen aneinander und hoffe oder bete, dass sich beides verbinden möge.
Vielleicht versuchen Sie es nach dem nächsten unangenehmen Telefonat einmal oder sind gespannt, ob nach einem Ärger etwas Nettes auf Sie wartet, denn „ Jedes Problem hält ein Geschenk in der Hand“.
 
Ulrike Bohl, Zerrenthin