Einen Weg aus der Stille finden - Taubstummenverein HEPHATA aus Pasewalk feierte 110. Geburtstag

Harald Heller trägt die Fahne des Taubstummenvereins HEPHATA anlässlich des 110. Geburtstages zum Festgottesdienst in die Pasewalker St. Marienkirche. Foto: Elke Ernst
Pasewalk (kiz). Ein ganz besonderer Gottesdienst fand in der Pasewalker St. Marienkirche am 11.07.10 statt. Eingeladen hatte die Gehörlosenseelsorge der Pommerschen Kirche anlässlich des 110. Geburtstages des Taubstummenvereins HEPHATA Pasewalk. Hepatha bedeutet so viel wie „öffne dich“. Öffnen aus der Isolation, der Einsamkeit, des nicht Verstehens. Nach Mk. 7,34 sagte Jesus dieses Wort zu einem Mann, der taub und stumm war, um ihn zu heilen.
 
Am 2. September 1900, zur Zeit Kaiser Wilhelms, trafen sich zum ersten Mal Menschen unter der Fahne, die auch zu diesem 110. Geburtstag in das Gotteshaus getragen wurde. Seither ist für sie die Zeit der Stille vorbei.
 
Die Fahne könnte viel erzählen. „Wir wissen so wenig aus dem Verein und seiner Geschichte“, berichtete Pfarrer Marcus Heide im Festgottesdienst. Doch eines ist sicher, zu allen Zeiten war sie das Symbol für Gemeinsamkeit, Verständigung und Hilfe der Mitglieder des Vereins.
 
Gehörlose aus Pasewalk und Umgebung, Greifswald, Stralsund, Grimmen, Neubrandenburg, Neustrelitz und Rostock waren an diesem schönen Sommertag zum Gottesdienst gekommen. Gemeinsam beteten und sangen sie in Gebärdensprache, die übrigens seit 2001 eine offiziell anerkannte Sprache ist. Natürlich war für die, die diese Sprache nicht beherrschen, eine Dolmetscherin dabei.
 
„Wir kennen uns alle“, berichten die Frauen und Männer. Einmal im Monat finden die Gottesdienste in Pasewalk und einmal in Greifswald statt. Sie beginnen sonntags um 14 Uhr mit anschließendem Kaffeetrinken. In der Regel in Pasewalk an jedem ersten Sonntag im Monat in der Marienkirche, und in Greifswald am dritten Sonntag im Monat im Gemeinderaum, Domstraße 13.
 
Ihre Inhalte unterscheiden sich kaum von denen der Gottesdienste für Hörende. Anders ist nur, dass alle Veranstaltungen – Gottesdienste, Rüstzeiten, Seelsorge, Taufen, Konfirmationen, Trauungen, Beerdigungen, Religionsunterricht, Fahrten, Filmprojekte, Themenabende und vieles mehr – in Gebärdensprache stattfinden.
 
Natürlich gab es auch an diesem Festtag bei Kaffee und Kuchen viel zu erzählen. Eine schöne Zeit für alle Anwesenden, die sich schon auf ein Wiedersehen freuen. (30.7.2010)