Wünsche
 
Sonntag Estomihi 18.2.07
 
 
„Ich wünsch mir dies, ich wünsch mir das, ich will, ich brauch, ich möchte..“ Die Zeilen aus einem Lied kommen mir manchmal in den Sinn. Da müht sich eine junge Mutter im Supermarkt vergeblich, ihr Kind zu überzeugen, dass es diese Süßigkeit nicht braucht. „Ich will aber“ ist die trotzige Antwort. Da haben heranwachsende Kinder immer größere Wünsche und manchmal sind sie nicht zu erfüllen. Da versucht eine Werbeindustrie ganz gezielt, den Wunsch nach immer mehr in uns wach zu halten. Und mal ehrlich: „Habe ich selbst nicht auch so eine geheime Liste von Wünschen und Träumen?“ Abgesehen davon, dass angesichts der schwierigen Lage in unse-rer Region sowieso mancher Wunsch unerfüllt bleiben muss, frage ich mich, ob es gut ist für uns und unsere Kinder, wenn (beinahe) jeder Wunsch in Erfüllung geht. Ist unser Leben nicht mehr, als nur die Befriedigung unserer wirklichen oder vermeintlichen Bedürfnisse? Oder entwickeln wir uns wirklich immer mehr zu Menschen, die sich ausschließlich um sich selber drehen? Wie wohltuend ist es da, wenn mir Menschen begegnen, die sich nicht nur um sich und ihre Wünsche drehen. Da gibt es Menschen, die sich für andere einsetzen, die eigenes Vorwärtskommen nicht als erstes Ziel im Leben kennen. Vielen ist einer dabei zum Vorbild geworden: Jesus Christus. Ihm ging es nicht um die Erfüllung seiner Wünsche. Er hat sich und sein Leben radikal hingege-ben, nicht um zu zerstören, sondern um zu heilen und zu vergeben. In ihm begegnet uns Gottes selbstlose, sich aufopfernde Liebe zu seinen Menschen. Wir alle brauchen solche Liebe. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.“ Auch wenn nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen, kann ich Glück und Frieden und Zufriedenheit erfahren. Denn einer liebt mich bedingungslos. Einer will mit mir durchs Leben gehen und Lasten und Leid mittragen.
 
Das hat er versprochen. Darauf kann ich mich verlassen. Dieser eine will mich auch fähig machen, nicht nur an meine Wünsche zu denken. Christen denken in der vor uns liegenden Passi-onszeit besonders an das Leiden und Sterben von Jesus Christus. Wie wäre es, wenn es nicht nur die Erinnerung an einen Toten ist, sondern die Begegnung mit dem, der mein Leben und unsere Welt verändern kann?
 
Andreas Eibich
Ringstr. 35
17309 Pasewalk
 
Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft Pasewalk