Vorgängerglocken
Danach wurde 1702 eine noch heute vorhandene (jetzt im Kirchenschiff stehende) und 1709 eine weitere Uhrklangschale (beide von Johann Heinrich Schmidt, Stettin hergestellt) sowie 1707 eine große Glocke (103 cm im Durchmesser) von Ernst Siebenbaum (‚Friland’/Rostock) gegossen. Es ist erstaunlich, dass diese Anschaffungen zu Kriegszeiten erfolgen konnten.
Neben o. g. Glocke von 1814 wurde 1816 eine weitere Schwesterglocke (130 cm im Durchmesser) in Auftrag gegeben, die von den Gebrüdern Schwenn, Stettin gegossen wurde. Ihre Inschrift bezog sich auf den Feldzug Napoleons I. von 1815, in dem Preußen unter Generalfeldmarschall Blücher und England unter Feldmarschall Wellington Frankreich besiegten. Napoleon I. scheiterte am 18.06.1815 bei Belle-Alliance und wurde nach St. Helena verbannt. Die Glocke war ebenfalls reichlich geschmückt und mit Bildnissen von Wilhelm III., Alexander I., Blücher und Wellington versehen.
Ihre Inschrift lautete:
Im Friedensjahr das alle Völker brüderlich versöhnte
nach dem Triumph der im verflossnen Jahr
den schnell erneuten heiligen Blutkampf krönte
und den bei neuer drohender Gefar
eh noch die fernen Bundesvölker kamen
in aller Rechts und Freiheitsfreunde Namen
das treu vereinte Heldenheerespaar
der Preussen und der Britten
zum Heil der Welt bei Bellealliance erstritten
wo Vater Blücher und wo Wellington
die Gott und ihrem Schwert vertrauten
den Tempel edler Menschlichkeit erbauten
in dem sie ritterlich das grosse Ungeheuer übermannten
und nach Helenens fernen Eiland bannten
da weckt der Frieden meinen Glockenton
als ich ein Denkmal ewig wichtiger Zeiten
zum Andachtsruf geformt von Künstlerhand
in Pommerns Hauptstadt schnell mein Dasein fand
um Freud und Trost nach allen Seiten
vom Pasewalkschen Dome zu verbreiten
so lass denn Ewiger mich immerdar
im Einklang mit dem grössern Schwesterpaar
weit tönend deine Segenshuld verkünden
und alle Welt durch Harmonie verbinden.
– Gegossen von den Gebrüdern Schwenn 1816
Als Ersatz für die vermutlich 1711 zerstörte Uhrklangschale von 1709 wurde 1842 eine neue, von C. F. Voss & Sohn, Stettin für die 1841 fertig gestellte Turmspitze (Oktogon) angefertigt. Diese Klangschale ist heute im Kirchenschiff zu sehen.
Für die zu Rüstungszwecken im 2. Weltkrieg eingeschmolzene Glocke von 1816 wurde 1959 eine große Eisenglocke (Ton e) von der bekannten Kooperationsfirma Schilling & Lattermann (Apolda, Morgenröthe-Rautenkranz, existent von 1722-1988) gegossen mit der Inschrift: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“ (Jer. 22,29). Sie steht heute auf dem Kirchvorplatz.
Diese Glocke, die besagte von 1814 und eine weitere aus dem Jahre 1690 (Ton a; einst in Rügenwalde, jetzt als Dauerleihgabe in Zerrenthin hängend) bildeten bis 1984 das Geläut von St. Marien. Alle drei Glocken überstanden den Turmeinsturz 1984 unbeschadet.


